Birgit Knatz

Pionierin der Online-Beratung

Birgit Knatz, laechelnd an eine Glasflaeche gelehnt, daneben ihr Spiegelbild

1995: Irgendwo quietscht sich ein Modem ins Internet, und ich sitze davor und tue etwas, für das es noch kein Wort gibt: Ich begleite einen Menschen durch eine Krise, den ich nicht sehe und nicht höre – in Sätzen, die er tippt und ich antworte.

„Beratung ohne Stimme? Ohne Blick? Das kann nicht funktionieren“, hieß es damals. Verständlich, denn Trost lebt schließlich von Nähe, und was ist ferner als ein Bildschirm.

Es funktionierte trotzdem. Denn ich hatte früh etwas entdeckt: Menschen schreiben anders, als sie sprechen. Sie schreiben über Dinge, die sie noch nie ausgesprochen haben. Gedanken werden sichtbar, Gefühle bekommen Worte, und Unsortiertes nimmt langsam Form an. Und ich entwickelte etwas, das es vorher nicht gab: Beratung per E-Mail.

Aus dem Experiment wurde ein Fachgebiet. 2005 gründete ich den Fachverband dafür, 2003 entstand mein eigenes Institut – Schreiben tut der Seele gut, Institut für Online-Beratung –, und irgendwann hörte ich auf zu fragen, ob das gehen kann, und fing an zu unterrichten und zu schreiben, wie das gehen kann.

Und jetzt, dreißig Jahre nach dem Modem, steht die nächste Frage im Raum: Was passiert, wenn nicht mehr nur Menschen antworten, sondern auch Maschinen? Künstliche Intelligenz in der psychosozialen Beratung – das ist genau die Sorte Frage, für die es keine schnellen Antworten gibt. Also die richtige für mich. Ich bin ihr gegenüber weder Euphorikerin noch Bedenkenträgerin, sondern das, was ich 1995 schon war: neugierig, und fest davon überzeugt, dass am Ende der Mensch zählt.

Heute schreibe, lehre und spreche ich über Onlineberatung, digitale Kommunikation und Künstliche Intelligenz und darüber, wie viel Technik der Seele guttut und wo sie besser schweigt.

Nebenbei schreibe ich Bücher. Fachbücher, Handbücher, das eine oder andere Standardwerk, das inzwischen in Ausbildungen gelesen wird. Alles über meine Arbeit, meine Bücher, Seminare und Vorträge finden Sie auf der Website meines Instituts.

Und wenn Sie hierhergefunden haben, weil Sie meinen Namen gegoogelt haben: Willkommen. Sie wissen jetzt, wo alles anfing. Der Rest ist ein Gespräch entfernt.


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